Topeak-Journey im Test

Topeak Journey
Bei dem Topeak Journey handelt es sich um einen Einspuranhänger aus Aluminium. Der Boden besteht aus 4 Streben und einer PE-Platte. Das Gewicht liegt bei leichten 4,5kg. Zudem ist im Lieferumfang noch ein Drybag und ein Hinterradschutzblech enthalten. Wir haben den Anhänger auf unserer #Expedalition auf 600km im Winter in Norwegen mit Salz und Sand auf der Straße mit mehr als 40 kg (erlaubt sind 32) Beladung nicht kaputt bekommen.

Die Fahrstabilität mit Anhänger ist großartig. Aufgrund des niedrigen Schwerpunktes fährt sich Fahrrad weiterhin angenehm und tatsächlich auch agiler als mit Packtaschen. In den Wiegetritt lässt sich auch mit Anhänger (eingeschränkt) fahren. In diesem Fall entwickeln sich aber Torsionsbelastungen über das ganze Fahrrad, deren Kräfte ich nicht berechnen will.
Die Anhängerkupplung schnalzt sehr leicht zu und aufgrund des Systems ist der Anhänger in 2 Sekunden abgehängt. Dies hat den Vorteil, beim Umsteigen mit der Bahn den Anhänger schnell anhängen zu können und über den Bahnsteig zu düsen. Also funktioniert alles wie es soll und auch nach ein paar Wochen mit Salz und Sand auf der Straße.

Nun aber zu den Schwächen: Unserer Meinung nach sind am Drybag die Steckschließen etwas zu weit unten angebracht, was ein Gefummele beim Schließen ist. Drybags sind lediglich „Dry“ wenn man diese 3-Mal rollt, was wir ausprobiert haben und sich tatsächlich bewahrheitet hat. Zur Sicherheit haben wir die Anhänger immer auf die Seite gelegt, wenn wir gezeltet haben. Solange sich keine Pfütze auf dem Anhänger bildet, bleibt der Inhalt aber auch bei „ungewickelter“ Tasche trocken; Aber: Nicht Umsonst gelten sogenannte „Drybags“ nicht als unterwasserdicht.

Außerdem haben sich die „Füße“ aus Gummi recht schnell verabschiedet, die Befestigungsschrauben sollte man gleich nach dem Kauf anziehen (evtl. zusätzlich festkleben) oder Klebeband drumherum wickeln. Ein kleines, vermeintlich unwichtiges Detail, aber sehr ärgerlich, wenn der Verlust nicht sofort auffällt. Die Funktion schränkt das natürlich nicht ein, aber das Abstellen von Alu auf Asphalt hört sich nicht sehr förderlich für die Lebensdauer des Rahmens an.

Was fehlt: Der Anhänger ist nicht selbststehend (Wer einen selbststehenden Einspuranhänger kennt, der melde sich bitte) und Bergauf muss man ihn trotzdem ziehen.

Auch wenn uns der direkte Vergleich zu ähnlichen Einspur-Anhängern fehlt, hier unser Fazit:
Leichter, robuster und gut verarbeiteter Alu-Anhänger, den wir uns sofort leisten würden, hätten wir gute 400€ auf der hohen Kante. Für Weltreisen ist er vielleicht nichts, da man ihn nicht schweißen kann. Wer allerdings einen Alu-Rahmen am Fahrrad hat, besitzt keinen Grund sich einen Stahlanhänger zu kaufen. Gewichtstechnisch lohnt es sich den Anhänger auch mal mit einem klassischen Packtaschen-System zu vergleichen. Mit unseren rund 40kg Beladung hat sich der Anhänger besser gefahren als mein Packtaschensystem letzten Sommer mit deutlich weniger Gewicht (rund 15kg). Für Chaoten wie uns hat der Anhänger auch noch einen bestechlichen Vorteil. Es handelt sich um eine riesige Reistasche in die sich das gesamte Geraffel rein pfeffern lässt und nerviges austarieren fällt auch komplett weg.

Nachtrag: Ich habe meinen Anhänger an einen Kumpel ausgeliehen. Er hat in 1500km durch Frankreich an einem Singlespeed Fahrrad gezogen, Schäden hat auch er keine erzeugt.

Galdhøppigen- oder teuerste Skitour aller Zeiten

Es gibt Dinge, die muss man eben machen. Wenn man für längere Zeit in Norwegen wohnt, dann muss man auch auf den Galdhøpiggen, den höchsten Berg Norwegens. Auf dem Hinweg werden wir zu einem teuren Boxenstop gezwungen. Es ist ja auch eine durchaus strafbare Handlung, mit 72 km/h am 60 km/h Schild auf der Autobahn vorbei zu fahren. 300 Euro und ein paar ungläubig dreinschauende Gesichter später ist es dann eh zu spät. Nach einer Stunde steigt die Laune wieder. Dumm gelaufen – ist jetzt halt so.

Zum Galdhøpiggen führt eine „Mautstraße“ für die man um diese Jahreszeit keine Maut zahlt und das Wort „Straße“ leicht übertrieben ist. Nach einigen Kehren, Schweißtropfen und Beten, der gute Audi 80 möge uns zum Ziel bringen, stellen wir das Auto ab und suchen einen Schlafplatz. Aus Respekt vor dem norwegischen Staate stellen wir am Abend die Zelte 100 abgezählte Meter entfernt von der Straße auf.

Am nächsten Morgen fahren wir erst noch ein Stück auf der Schotterstraße, bis eine Schranke uns aufhält. Wohl oder übel müssen dann die Ski doch noch getragen werden.
Der Aufstieg gestaltet sich etwas kompliziert. Es ist schon Mitte Mai und der Harsch ist komplett hart. Zudem ist es noch Nebelig und kalt, was ein auffirnen verhindert. Während die Skifahrer auf ihren Kanten gut queren können, muss ich als Splitboarder auf Steigeisen wechseln. Nach 1700hm stehen wir dann endlich auf dem höchsten Punkt Norwegens. Vom Gipfel sieht man durch die dünnen Nebelschwaden viele spannende Couloirs, riesige Eisebenen und schroffe Gipfel herausschimmern, welche bestimmt für mehr als einen Pfingsturlaub interessant werden können.
Die Abfahrt gestaltet sich schwierig auf dem festen, verblasenen Untergrund, der weiter unten nahtlos in Sumpf übergeht. Aber dies tut der Stimmung keinen Abbruch.
Wir hatten bessere Tage in Norwegen, aber der Höchste muss einfach sein.

Nach einer weiteren Nacht besteigen wir noch den Loftet und fahren wieder heim.

Text: Tim Steffinger
Bilder: Jonathan Pietsch & Tim Steffinger

#Expedalition- Eine Skitourentrip mit dem Rad

20 Grad, leichte Brise, T-shirtwetter. Wir sitzen Ende März auf der Terrasse und sollten packen. Vor dem dritten Radler holen wir beim nächsten Bikeladen Pappkartons. Wir haben uns in weiser Voraussicht den ganzen Tag Zeit genommen, um die Ausrüstung flugfähig zu machen. Was hat uns eigentlich geritten? – denke ich mir als wir in München mit zwei Radboxen, zwei Anhängern und in Plane eingewickelten Ski am Flughafen stehen. Fahrräder als Transportmittel für drei Wochen Skitouren in Nordnorwegen. Übernachten im Zelt. April. Für die Allermeisten ein Vorhaben zwischen gewagt und undenkbar – sicher kein entspannender Urlaub. Für uns? Mal sehen.

„Bei so einer Aktion ist das Glück nachher größer als die Vorfreude, jetzt hab ich eher noch Bammel“

Irgendwann vor einem Jahr im Auslandssemester in Trondheim kam uns die Idee. Wie geht man auf Skitour ohne Auto? Versierte Fahrradfahrer sind wir schon länger; Auch für die ein oder andere Tagestour haben wir uns schon den Zustieg mit dem Rad erleichtert. Es dauerte dann noch eine Weile bis wir Nägeln mit Köpfen machten und um Weihnachten die Flüge buchten. Danach überlegten wir uns, wie wir Skitourenausrüstung und Wintercampingsachen auf dem Fahrrad transportieren. Irgendwann standen dann auch zwei Fahrradanhänger bereit – der Grundstein war gelegt und zurück ging nicht mehr.

In Bodo am Flughafen sind alle 5 Gepäckstücke durchgekommen. Wir bauen am nächsten Morgen die Räder auf und gewöhnen uns an die Fahrt mit den Trailern. Bis wir alles austarieren und Ski, Schuhe & Stöcke bestmöglich platzieren dauert es eine Weile. Das endgültige ‚Setup‘ wird erst nach einigen Tagen Einsatz gefunden sein. Wir kleben die Trailer noch mit Klebeband ab, um sie vor den Skikanten zu schützen.

Dann geht es mit der Autofähre auf die Lofoten. Die recht extensive Planung sieht vor, die Lofoten von West nach (Nord-)Ost zu durchqueren. Der Vollständigkeit halber fahren wir also vom Hafen nach Å, was der Westspitze der Lofoten am nächsten liegt und schlafen dort. Ab hier sind wir auch schon mittendrin. Am ersten Fahrradtag besteigen wir den Ryten bei Fredvang. Unser Ziel ist es jeden Tag mit gutem Wetter zu nutzen. Bis uns das Wetter unterbricht fahren wir bis Leknes und gehen täglich eine Skitour. Mich (J) erreicht ein kurzes Video von Zuhause; Im Ofen brutzelt ein Schweinebraten, die Kruste schnalzt und aus dem Off hört man ein bewunderndes Lachen und ein freudiges ‚Hurraa!‘. Meine zugegeben etwas gehässige Antwort ist ein kurzes Gipfelpanorama des Stornappstinden – das wohl schönste meines bisherigen Lebens. Unsere dämlich grinsenden Gesichter strahlen in der Sonne während wir eine noch unbefahrene Südrinne abfahren. Abends gibt es, wie immer, Couscous mit Konservengemüse.

Tricky auf den Lofoten sind für Radfahrer die Tunnel. Da in Nordnorwegen die meisten Autos mit Spikes ausgerüstet sind, sind sie ungeheuer staubig. Die Inseln Flakstad und Vestvåg sind nicht durch eine Brücke, sondern einen solchen Tunnel verbunden, bei dem zusätzlich noch Höhenmeter zurück über die Wasserlinie zu überwinden sind. Es knirscht zwischen den Zähnen wie nach einem Beachvolleyballmatch und wir sind sicher, wir haben beim Rauskeuchen ein paar Lebensjahre in unsere neuen Staublungen investiert.

Den ersten größeren Schlechtwetterblock verbringen wir an einem Campingplatz nahe Leknes. Schon letztes Jahr haben wir hier bei unserem Roadtrip Schlechtwetter in einem kleinen roten Holzhüttchen abgesessen. Diesmal wird es die erste von nur zwei festen Schlafstätten unserer Reise bleiben. Nach zwei Tagen fliegen wir aus einem uns unbekannten Grund am späten Nachmittag vom Campingplatz und machen uns auf Richtung Svolvaer. Das Wetterkarma ist uns wohlgesonnen und schickt die Sonne zu uns raus – hah, danke fürs Ärsche hochziehen, launischer Campingplatzbesitzer. Wir radeln an einem einsamen Küstenabschnitt entlang, vorbei am tags zuvor bestiegenen Justadtinden und genießen die großartige Landschaft. Abends zelten wir am Meer.

Tags drauf gehen wir auf den Botntinden (711 m. ü. NN). Wir unterhalten uns dort mit einem Deutschen, der vor 15 Jahren aus Deutschland auswanderte. Er gibt uns noch Tipps wie wir am besten diesen Berg besteigen, es gilt nämlich einen nicht ganz kleinen Schmelzwasserbach zu überqueren. Zusätzlich liefert das norwegische Wetter die üblichen Kapriolen: Sonne, Regen und Schnee innerhalb einer Stunde. Die Abfahrt durch exzellentes Gelände wird ein bisschen von diffusem Licht und nicht ganz optimalem Schnee getrübt. Abends kommen wir geschaffter als bisher am Dumpster in Kabelvåg an und treffen dort zwei gleichgesinnte einheimische Mädels. Sie weisen uns auf die Frage nach einem schönen Plätzchen fürs Zelt zum Gelände des örtlichen Waldkindergartens. Dort können wir bei Windstille angenehm Zelten, unsere Sachen im Planenverschlag trocknen und sogar unser Geschäft im Freiluftklo mal wieder gemütlich sitzend verrichten.
Am nächsten Tag geht es auf den Blåtinden bei Svolvaer. Der vielleicht meistbestiegene Skitourenberg der Lofoten und Hausberg von Svolvaer. Wir besteigen diesen über den Nordhang. Jonathan muss die Ski abschnallen, da es steil und eisig ist. Über den Grat gelangen wir dann bei Windstille auf den Gipfel. Außer uns ist – warum auch immer – niemand anderes unterwegs.
Wir übernachten am Strand. Am folgenden Morgen genießen wir ausgiebig die Sonne bis wir Richtung Geitgallen (Groß und mächtig, schicksalsträchtig) aufbrechen. Wir steigen bei Neuschnee auf. Gestern war der meistbegangene, heute der bekannteste Berg der Inseln dran. Ungleich höher, alpiner und mächtiger – dadurch aber auch seltener möglich. Im Schneegestöber eines Schauers müssen wir auf den letzten Metern abrechen, da wir weder Pickel noch Steigeisen dabei haben, ohne die das steile Firnfeld ganz oben schnell ungemütlich werden kann. In der Abfahrt gibt es dann kein Halten mehr: frischer Powder und ideales Gelände so geil, dass wir vergessen, Bilder zu machen. Nach der Abfahrt fängt es wieder an zu schneien.

An den folgenden Tagen ist erstmal die Luft raus. Wir verbringen zwei Nächte im Regen auf dem Campingplatz Sandsletta. Jonathan hat im Dumpsterlotto verloren und kotzt in der ersten Nacht aus dem Zelt. Hoffentlich keine Grippe. An Tag zwei geht’s dann schon wieder besser und die Speicher können wieder gefüllt werden – puh, nur eine Magenverstimmung. Von anderen Skitourern bekommen wir einen Tipp, der uns aus der Lethargie reißt: Wenig weiter am Fjord befindet sich eine Schutzhütte für Radfahrer, Skifahrer und Surfer. Wir verlassen dafür bei Regen den Campingplatz. Die rundum verglaste Schutzhütte am Strand bietet Unterschlupf und wir werden von den später eintrudelnden Tippgebern zu Ratatouille und Fisch eingeladen. Ein wohltuendes Mahl nach tagelangen Couscous-Sessions. Dazu gibt’s Bier und Tequila. Wir steuern noch unseren Gipfelschnaps bei und einem feuchtfröhlichen Abend unter Gleichge(un)sinnten steht nichts mehr im Wege.

Nach Ende des Regens verlassen wir die Lofoten mit der Fähre via Fiskebol-Melbu. Von nun an befinden wir uns geographisch auf den Ofoten und die Landschaft verändert sich. Die Berge werden größer und weniger schroff, aber nicht weniger Imposant. Nach Tagen der Abstinenz gehen wir auch endlich wieder eine Skitour. Powder im Gipfelhang und pistenartiger Harsch ohne Bruch im Mittelteil, mit grandiosen Blick zurück auf die Lofoten.

Dann passiert es und wir erleiden unseren ersten Platten. Nach dem Flicken bricht uns auch noch das Ventil, sodass wir unseren Ersatzschlauch verbrauchen müssen. Der Riss im Mantel wird natürlich fachgerecht mit Gaffatape geflickt. Die nachmittägliche Tour führt wegen der Verzögerung und des unterschätzten Gipfelgrades nicht bis zum Gipfel.

Wie schon am Vortag sind wir auch bei der zweiten Tour Nahe Flesnes allein. Jetzt müssen wir sogar Spurarbeit leisten, da diese Gegend wenig touristisch geprägt ist. Am Titinden bläst es uns im Aufstieg fast vom Rücken. Hinter der Gipfelwechte herscht jedoch absolute Windstille. Wir sitzen in der Sonne und genießen die Wärme. Es ist schön ab und an einfach nicht zu frösteln. Nach einer weiteren Nacht in freier Wildbahn genehmigen wir uns mal wieder eine Dusche. Auf dem Campingplatz lassen wir uns bei bestem Wetter die Sonne auf den Pelz scheinen und brechen das erste Mal unsere Regel und gehen keine Skitour an einem guten Tag. Die Wettervorhersage sagt schlechtes Wetter voraus. Uns bleiben noch zwei gute Tage um nach Narvik zu kommen. Allerdings liegen da noch 130 km mit dem Rad vor uns und ein hübscher Berg muss auf dem Weg noch angemessen begutachtet werden. Das Begutachten lohnt sich ziemlich. Wir bekommen nochmal eine ordentliche Ladung Powder ab, allerdings sind wir beide so im Unterzucker, dass wir mal wieder vergessen Bilder zu machen. Schlussendlich übernachten wir nach zwei harten Tagen (130km Rad 1100hm Skitour 1700hm Rad) am Strand vor Narvik. Wir genehmigen uns ein Bad im arktischen Meer; An dieser Stelle wollte einer der Autoren beim texten unterschlagen, dass dafür viel Überzeugungsarbeit des anderen Autoren von Nöten war (Anm. d. Red.). Am nächsten Tag beenden wir unseren Trip nach 18 reinen Tourtagen, 620km und ca. 6500hm auf dem Fahrrad und noch etwas mehr auf Ski.

Wir nehmen den Bus zurück nach Bodø wo wir auf dem Campingplatz unseren Flug abwarten und während einem Schönwetterfenster noch zu einer letzten Skitour aufbrechen. Nach einer finalen, spaßigen Abfahrt können wir zurück am Parkplatz gerade noch einen Polizeieinsatz abblasen. Ein besorgter Bürger wollte diesen starten, nachdem er unsere Räder, Hänger und zum Trocknen aufgehängte Schuhe und Kleidung bemerkt hatte. Er macht uns einen Vorwurf, wir hätten eine Notiz hinterlassen sollen. Wir zeigen Verständnis, er gibt der Pozilei telefonisch den Fehlalarm durch und zieht von dannen. Zu allem Überfluss zeigt uns der kajakfahrende Ungar am Campingplatz in Bodo einen Tag später ein Bild von der riesigen Wechte an ebendiesem Berg, die offenbar kollabiert ist, eine Nacht nachdem wir unsere Kurven unter ihr zogen. Eine sehr kleine, aber nicht ungefährliche Lawine. Das stimmt nachdenklich, vielleicht waren wir da zu unvorsichtig, nach dem Motto:

„Die letzte Tour, kein steiles Gelände, passiert schon nix“(J)

Aber nach reichlich Reflexion war es ein logischer, unterhaltsamer und damit lohnender letzter Ausflug.

Unterm Strich: Alles hat überraschend gut funktioniert. Wir haben kein Fahrrad oder Ski kaputt gemacht, alle Zehen sind noch dran; Köpfe auch (was nicht bedeutet, dass sie durch die viele Frischluft jetzt mehr denken).
Es war ein toller, lehrreicher, berauschender, vielleicht bewusstseins-, auf jeden Fall sinneserweiternder Trip! Wir sind zu Dankbarkeit verpflichtet, so einen Scheiß machen zu können. Ein besonderer Dank geht hier natürlich auch an unsere Sponsoren Topeak, Ergon und Julbo ohne euch wäre dieser Trip noch chaotischer geworden.

Fotos & Text von Jonathan Pietsch & Tim Steffinger

Vier Tour-de-France-Pässe an drei Tagen

Ein paar Tage Zeit und Bock auf Radfahren. Also die Räder aufs Autodach, Zelt und Schlafsäcke rein und ab in die französischen Alpen. Wenn das Wetter mitmacht, könnte es in der Zeit gerade hinhauen mit Col d’Izoard, Alpe d’Huez und über den Col du Télégraphe zum Col du Galibier.

Mit dem Auto fahren wir nach L’Argentière la Bessée auf 950 Meter Höhe, unserem Startpunkt zum Col d’Izoard. Endlich sitzen wir auf dem Rad. Zum Einrollen ist das flache Stück nach Briançon perfekt. Hinter Cerviéres schraubt sich die Straße hinauf auf 2360 Meter Höhe. In superschönen Serpentinen windet sie sich zum Col d’Izoard, und so sind die 1400 Höhenmeter bald geschafft. Wie so oft bei Alpenpässen, empfängt uns auf der anderen Seite eine völlig andere Landschaft. Die schmale Abfahrt nach Guillestre führt durch ein felsiges Tal durch urige, kleine Tunnel. Wer jetzt noch Kraft hat, dem empfehlen wir für den Rückweg nach L’Argentière la Bessée die kleine Straße westlich des Flusses Durance zu nehmen. Da sind zwar nochmal ein paar gute Steigungen drin, sie ist aber deutlich schöner, als die „Normalroute“ entlang der großen Straße. Mit insgesamt 2108 Höhenmetern auf knapp 100 km ist diese Runde für sportliche Fahrer ein Genuss.

Den zweiten Radtag widmen wir der Alpe d’Huez. Die Tour de France verleiht diesem Hotelburgenstädtchen einen fast magischen Klang. Durch den Bergwald geht es über gemäßigte Serpentinen voran. Gedenktafeln und Straßenbemalungen lassen keinen Zweifel daran, dass dieser Aufstieg zur Legende geworden ist. In La Garde ist der Bergwald durchfahren und die Aussicht ist einfach klasse. Kehre für Kehre geht es bergauf durch eine abwechslungsreiche Landschaft – einfach eine Freude, sich hier mit dem Rad hoch zu winden. In L’Alpe d’Huez angekommen, stechen zunächst die Bausünden ins Auge, der Focus ist aber schnell wieder auf die Straße gerichtet. Unverkennbar die Zielgerade und das Siegerpodest, das wohl immer da steht.

Wir packen das Auto und fahren hinüber nach Modane. Nach einer gemütlichen Nacht auf dem Campi und gutem Essen starten wir zum dritten Radtag in St. Michel de Maurienne auf 700 Meter Höhe. Durch den Bergwald geht es 870 Höhenmeter hinauf zum Col du Télégraphe. Der präsentiert sich eher unspektakulär: eine Kurve, ein Schild, ein Haus. Kein Ding, wir wollen eh weiter zum Galibier. Erst mal geht es wieder bergab nach Valloire. Hier beginnt der Anstieg zum Col de Galibier; das Schönste, was ich je mit dem Fahrrad gefahren bin; einschließlich Island und Skandinavien. Lange Geraden in baumlosen Hochtälern wechseln sich ab mit atemberaubenden Serpentinen in steilen Hängen. Und das bei Hochgebirgs-Panorama. Es dürfte ewig so weitergehen. Die meisten Autos sparen sich den letzten Anstieg und fahren durch den Tunnel. Wir genießen die letzten Kilometer umso mehr und erreichen bei 2646 Meter Höhe den Pass.

Auf der Abfahrt durch böigen Wind ist Vorsicht geboten. In kurzer Hose und Radtrikot ist es wahrscheinlich völlig egal, ob es dich bei 90 oder 110 km/h zerlegt, aber ich fange bei 90 eben an zu denken, was ich da eigentlich tue und lass es damit auch gut sein. Mein Sohn Vivi als Ex-Radrennfahrer pfeift da noch auf dem Lenker liegend an mir vorbei. Sein Limit liegt jenseits der 100 km/h. Wir sehen uns später… zum Glück.

Bleibt als Resümee, dass es erst mal wieder darum ging, seinen Allerwertesten zu erheben und loszufahren; unterwegs läuft’s dann schon fast von selbst. Vier Pässe in drei Tagen, 5383 Höhenmeter, zusammen eine richtig gute Zeit gehabt und gesund wieder heimgekommen; was will man mehr?

Packraften auf der Isar

Chaos nur Chaos.
Steffen und ich sind irgendwie auf das Thema Packraften zu sprechen gekommen. Irgendwann war dann die Zeit gekommen das Ganze auszuprobieren. Schlussendlich furen wir mit dem Zug nach Mittenwald und wollten die klassische Packraft Tour machen. Von Mittenwald über die Birkarspitze und dann die Isar runter. Aber irgendwie kam alles anders. Im Nebel sind wir dann, vor lauter schwätzen, falsch abgestiegen und Flußabwärts von Mittenwald rausgekommen. Daraufhin haben wir uns kurzerhand ein Taxi gegönnt und sind von Scharnitz ins Isartal hoch gelaufen. Schlussendlich sind wir am dritten Tag die Isar dann fast vom Ursprung bis Mittenwald gerutscht und gefahren.

Alles in allem super Boote. Wir waren über die Robustheit der Badewannen echt überrascht.

Tourpunkte:
Mittenwald-Karwendelbahn-Dammkar-Hochland Hütte-Wörnerlahne-Ochsenalm-Mittenwald-Scharnitz-Isar Ursprung-Mittenwald

Fløtatinden Mitte Mai

Eigentlich sollten Jonathan und ich lernen. Eigentlich. Schließlich einigen wir uns darauf nur eine Skitour zu gehen. Von Trondheim geht es über die E6 mal wieder nach Süden Richtung Sunndalsøra auf den Fløtatinden (1.711m ü. NN). Da auf Meereshöhe kein Schnee mehr liegt müssen die Ski die ersten 300-400 Höhenmeter getragen werden. Wir versuchen möglichst lange uns auf abgetauten Graßrücken zu halten. Eine Woche vorher taten wir dies auf dem Galdhøppingen nicht und wurden durch 3 Mal Abschnallen belohnt.
Als wir schließlich die Schneegrenze hinter uns lassen sehen wir noch aus gutem Abstand wie ein Nasschneerutsch zu Tale geht. Wir steigen durch einen schicken flachen Trog auf und meiden Fischmäuler in der Schneedecke, welche aber 100hm nach der Schneegrenze verschwinden. Die Gipfelwechte und die Bedingungen erlauben einen schicken Drop, nachdem wir diese kurz auf allen Vieren erklommen. Auf dem Weg nach unten erwartet uns, was wir kaum glauben können, Powder. So wird die für mich letzte Skitour der Saison noch mit eine der Besten.

Innerdalen und (mal wieder) Storlidalen über den 1.Mai

Es fühlt sich komisch an und ziemlich falsch. Wir sind in Trondheim, es ist 11 Uhr morgens und es ist warm genug für kurze Hosen (11°C, die spinnen die Norweger). Wir wollen heute noch nach Innerdalen auf die Dronningkrona (1825 m ü. NN). Natürlich kommen wir nicht um 11 los, der Eine vergisst die Schuhe, der Andere bringt noch Essen mit und der Dritte kocht beziehungsweise frühstückt noch. Irgendwann mal ist der gute alte Audi 80 gepackt und los geht es auf die E6 Richtung Süden. Gegen 15 Uhr erreichen wir den Parkplatz in Innerdalen. Für den versierten Alpen-Frühjahrs-Tourengänger steht spätestens jetzt der Zeitplan Kopf. Das erste Mal dieses Jahr müssen unsere Ski getragen werden. Durch Hänge voll Moss und Gestrüpp geht es bergauf, bis zur Schneegrenze. Dann kommt endlich wieder Schnee unters Fell. Der Schnee ist erst sulzig und wird dann aber schnell hart. In Norwegen hat der Schnee oft keine Möglichkeit tageszeitenbedingt zu schmelzen, da es nicht warm genug wird. Auf harten windverpressten Schnee steigen wir auf und stellen hierbei schon fest, dass die Abfahrt kein Genuss wird. In einem steileren Hang (35°) haben wir Probleme Kanten und Fell gut aufzusetzen. Wir gehen ein paar hundert Höhenmeter nach dem Motto zwei Schritte vor und einen zurück. Hätte man doch die Felle anständig zurecht geschnitten oder nicht bei den Harscheisen gespart und wäre man nicht zu faul die Steigeisen anzulegen. Naja, alles geht vorbei. Wir folgen oben einem Rücken für 2 Kilometer und stehen gegen halb 8 Uhr abends auf der Dronningkrona. Es ist kalt und windig, wie auf jedem Gipfel in Norwegen. Das Panorama hingegen großartig mit Blick auf die Fjorde und Berge. Wir fahren den Rücken hinunter und warten auf den Sonnenuntergang. Drei Tage vorher taten wir dies nicht und bereuten es. Wir warten eine geschlagene Dreiviertelstunde. Die Sonne zeigt sich schließlich unter der Wolkendecke und taucht alles in rot. Bei diesem Licht können wir hervorragend abfahren, da der Kontrast hoch war. Im unteren Bereich gibt es dann noch eine nette Slush-Tree-run Session. Gefahren wird bis es wirklich nicht mehr geht. Dann müssen die Skier wieder auf den Rücken. Gegen halb 11 sind wir schlussendlich wieder am Parkplatz und stellen dort die Zelte auf.

Kongskrona

Am nächsten Tag ging es dann auf die Kongskrona. Wir fahren mit dem Auto bis zum Talschluss und packen die Ski (mal wieder) auf den Rucksack. Wir überqueren einen Fluss und suchen uns einen Weg um die Schneereste herum, da Auffellen etwas zu optimistisch wäre. Als wir das Hochtal erreichen sehen wir schon einige Skitourengruppen vor uns. Es ist fast so voll wie in den Alpen. Heute steigen wir gemütlich auf und  lassen uns nicht stressen. Dabei holen wir uns natürlich einen dicken Sonnenbrand. Von weitem sieht die Aufstiegsspur ziemlich kritisch aus. Steil, Felsbänder und alte Lawinenkegel. Ein Blick auf die Karte gibt aber Entwarnung. Dadurch, dass es diesen Winter ausserordentlich viel Schnee hat lassen sich die Gletscher selbst um diese Jahreszeit seilfrei begehen. Heute zeigt sich das gleiche Problem wie gestern. Die Schneeoberfläche ist hart und Harscheisen besitzen wir immer noch nicht. So schleppen wir uns hunderte Höhenmeter mit Beinarbeit auf den Kanten nach oben. Im oberen Bereich wird es mir zu bunt oder zu steil. Ich schnalle die Ski auf den Rücken und gehe die letzten 50hm zu fuß. Wobei hier ordentlich Stufen geschlagen werden mussten. Oben empfängt uns der übliche norwegische Wind gepaart mit strahlenden Sonnenschein. Wir suchen uns eine windgeschützte Stelle und genießen den Ausblick. Wir fahren nicht ab, wie wir aufgestiegen sind. Dabei müssen wir auf Sicht fahren und einen Gletscherabbruch umfahren. Was zum Glück alles Problemlos funktioniert. Danach cruisen wir locker durchs flachen Gelände. Im Wald wird der Schnee dann auch wieder knapp. So muss hin und wieder das Moos im Wald oder der Ski auf Stein dran glauben. Aber es wird gefahren bis es nicht mehr geht. Am Parkplatz blödeln wir ewig rum, veranstalten ein riesen Chaos und stellen die Zelte auf einer Wiese auf.

Nønshoa

Am nächsten Morgen ist das Wetter eher so mittel. Die Satellitenvorhersage zeigt, dass das Wetter im Nachbartal bis Nachmittags halten soll. So beschließen wir mal wieder nach Storlidalen zu fahren, wo wir diesen Winter schon etliche gute Tage verbracht hatten. Dort besteigen wir noch den Lønshoa, allerdings gibt es von dieser Tour nichts sonderlich Spektakuläres zu berichten. Der Schnee ist so nass, dass es bremst und im oberen Teil bockelhart. Zudem ist die Sicht und der Kontrast noch schlecht. Dafür gibt es aber eine Gipfelhalbe. Es kann nicht jeder Tag ein Traumtag werden.

Trekking im Kaukasus, Elbrus von Norden

Russland, Kaukasus, Elbrus, 5000er… hört sich mal anders an als Alpen und Skandinavien. Ich wurde neugierig. Mein Kumpel Alexios Passalidis machte genau dort zu Sowjet-Zeiten seine Bergführer-Ausbildung. Er plante gerade, mit einer kleinen Gruppe über einen etwas längeren Trekking-Zustieg den Elbrus von der einsameren Nordseite zu besteigen. Dabei übernahm er den ganzen Kram mit Genehmigungen, Papieren, An- und Abreiseformalitäten für eine Gegend, die politisch sehr instabil ist. Das war zu verlockend, ich war dabei. In der Abendsonne schwebt die Maschine von Moskau über Mineralnye Vody ein. Auf dem kleinen Flugplatz kommen wir uns vor wie auf dem Viehmarkt. Das Vieh sind wir. Ein Herr Oberwichtig mit zu großer Uniformmütze studiert lange unsere Papiere, bis er zu dem Entschluss kommt, dass irgendetwas fehlt (Rubel), und wir den Flughafen nicht verlassen dürfen. Alex regelt das ohne Geld und wir gehen unserer Wege. Nach einer Nacht im „Internationalen Hotel“ in Pyatigorsk fahren wir in zwei Geländewagen russischer Bauart ins Khurzuktal und werden dabei noch einige Male mit vorgehaltener Waffe von der Miliz gefilzt.

Umso mehr genießen wir am Abend die Ankunft in Khurzuk. Vor uns liegt das unberührte Hochgebirge. Nach vier Stunden Aufstieg stellen wir die Zelte auf. Von hier aus unternehmen wir zwei Tagestouren auf rund 3700 zur Akklimatisation – und aus Freude am Bergsteigen. Unweit unserer Zelte beziehen drei Hochlandhirten mit ihren Tieren ihr Sommerquartier. Einer davon hat bei Alex als Kind reiten gelernt. So verbringen wir die Abende in ihrer kleinen Hütte bei Hammelfleisch und frischem Schafskäse mit Brot und Kräutern, zuzüglich unserer bescheidenen Beigaben. Wir würden ihnen gerne etwas geben. „Spenden“ anzunehmen oder fürs Essen bezahlen geht aber gar nicht. Also machen wir einen Deal: Sie bringen mit ihren Pferden unsere Rucksäcke zum nächsten Pass und wir bezahlen sie dafür. Den Balk-Bashi-Pass erreicht, geht es auf 3700 Meter Höhe weiter dem Gletscherrand entlang in Richtung Westen, Richtung Elbrus. Nach einer Nacht auf Geröll und der Querung eines Gletschers kommen wir zu der Stelle, an der wir unser drittes Lager geplant hatten. Es ist aber ziemlich stürmisch und die Motivation zum Zeltaufbau lässt zu wünschen übrig. Wir gehen weiter zum sog. „Russenbiwak“, ein paar halbrunde Behausungen aus Aluminium, ohne Wasser oder Klo. Die Elbrus-Nordseite wird weit weniger begangen als die Normalroute im Süden. Trotzdem gibt es hier so eine Art „Berghütte“. Mit drei Russen und einer Katze teilen wir uns die enge Kabine und sitzen gut gelaunt zwei Tage Sturm aus. Nach einer weiteren Akklimatisationstour packen wir die Rucksäcke und steigen auf zu den Lenzfelsen. Auf 4650 Meter ist die Aussicht auf den Kaukasus und das Vorland einfach überwältigend. Wir stellen die Zelte auf und hoffen auf gutes Wetter. Die Nacht bringt Sturm bei minus 15 Grad. Morgen wollen wir zum Gipfel.

Die Gipfeletappe ist technisch leicht, aber die Höhe von über 5000 Metern ist schon deutlich spürbar. Alles geht etwas langsamer und ist deutlich anstrengender als auf 3000. Trotzdem erreichen wir allesamt den Gipfel und feiern dort oben ein kleines Fest. Der Abstieg geht sehr zügig voran. In leichtem Terrain geht es über Firn und Eis zurück zu den Zelten. Mit vollem Rucksack wieder zum Russenbiwak. Eigentlich sind wir noch recht fit, also steigen wir noch weiter ab bis zu einer flachen Wiese auf 2900 Meter Höhe, genannt Flugplatz. Nach über 2700 Höhenmetern Abstieg darf man den Tag beenden. Wir stellen die Zelte auf die Wiese und genießen das frische Wasser aus den klaren Bächen. Zur Feier des Tages spendiere ich als Überraschung eine Runde Mousse au Chocolat für alle. Ich hab den Päcklenachtisch die ganze Zeit mitgeschleppt, und jetzt ist die Zeit gekommen, das Pulver anzurühren. Dies führt zu allgemeiner Heiterkeit und noch besserer Laune.

Der weitere Abstieg führt uns an einer russischen Dampfsauna vorbei, in der wir von Alex nach alter Tradition mit Birkenzweigen ausgepeitscht und danach mit russischem Bier abgefüllt werden. Nach der dritten Sauna-Auspeitsch-Bierrunde soll es dann aber auch genug sein. Bis zur Heimreise haben wir noch ein paar Tage Zeit. Alex zeigt uns noch einiges aus seiner Heimat und bald sitzen wir wieder im Flieger nach München.

Vulkanausbruch auf Island

Winter 2010. Seit über zwei Wochen bin ich allein im isländischen Hochland unterwegs. Ich sitze vor dem Zelt und denke gerade an das Ende meiner Einsamkeit, als ein Hund auf mich zu rennt und alles gibt, mir die Haut vom Gesicht zu lecken. Es ist Skuggy, der Hund von Gunnar, dem Hüttenwart der isländischen Wanderhütten. „Na also“, denke ich „passt doch. Ein perfekter Lift nach Reykjavik.“ Gunnar und Ole wollen aber erst mal zu dem neuen Vulkan, der gerade ausgebrochen ist. Ich habe keine Ahnung davon, war ja zwei Wochen ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt.

Am nächsten Tag machen wir uns mit den Autos auf den Weg in den Süden. Die ersten 30 Kilometer gehen quer über Eis und Schnee, bis wir die Schotterpiste der Kjölur-Hochlandroute erreichen. Von nun an geht es zügig in den Süden zur Ringstraße und weiter nach Hvolsvöllur. Versuche, mit den Autos ins Tal der Þórsmörk zu kommen, werden von Straßensperren der Polizei vereitelt. Da helfen auch Oles Diskussionen nichts. Das Gebiet ist abgesperrt, die umliegenden Bauernhöfe wurden bereits evakuiert. So fahren wir direkt zum Skógafoss und versuchen von dort aus, zu Fuß den neuen Vulkan zu erreichen.

Direkt am Wasserfall machen wir uns auf den Weg nach Norden. Es sind rund 15 Kilometer Strecke und 1000 Höhenmeter bis zum Pass Fimmvörðuháls, wo der Ausbruch stattfinden soll. Vier Stunden später stehen wir vor dem beeindruckenden Schauspiel. Photogen präsentiert sich der neue Vulkan und speit flüssige, orangefarbene Lava aus einer breiten Spalte. Nach Norden hat sich ein Lavafluss gebildet, über den sich der heiße Brei in Richtung Þórsmörk arbeitet. Ohne es auszusprechen ist uns klar, dass wir auch die Nacht hier verbringen werden. Mit Einbruch der Dunkelheit wird die Szenerie noch magischer. Mit lautem Zischen und Fauchen sprühen unglaubliche Mengen an flüssiger Lava in den Nachthimmel und fallen wie steinerne Wasserfälle wieder zu Boden. Erst am Morgen machen wir uns auf den langen Rückweg, und am Nachmittag erreichen wir Reykjavik. Drei Wochen später bricht in direkter Nachbarschaft zum Fimmvörðuháls der Vulkan unter dem Eyafjallajökull aus und legt den europäischen Flugverkehr lahm.

Okla & Lorthøa

Oh Wunder, mal wieder Storlidalen. Dieses Tal eignet sich perfekt zum Skitouren und ist einfach von Trondheim aus zu erreichen. Allerdings war es schon mitte März, weswegen es Südseitig recht harschig war. So haben wir uns dann doch lieber an die Nordseiten gehalten.

Das Video wurde geschnitten und gefilmt von Julien