Trondheim-Ludwigsburg

Es war Januar ich saß in Norwegen in meiner Wohnung und schaute auf meine Kreditkartenabrechnung. Sagenhafte 300 Euro kostete der One-Way-Flug nach Trondheim in mein Erasmus-Semester. Mit 300 Euro kann man viel anfangen. So kam mir die Idee die Heimreise im Juni mit dem Rad anzutreten. Recht schnell hatte Martin zugesagt, dass er dabei sei. Mal schauen was geht, wie schnell ist man daheim? Von außen kamen kritische Stimmen wie, zu hart der Zeitplan, das schafft ihr nie. 24 Tage für 2300 km sind zu wenig! Durch den langen Skitourenwinter wuchsen die Oberschenkel, sodass manche Hose nicht mehr passte. Ein Dritter hatte sich auch noch gefunden. Schnell wurden Räder gekauft oder über Umwege und von Freunden von Freunden nach Norwegen gebracht. In der Vorbereitung musste manch Steuersatz entrostet werden, oder eben nicht. Alles in allem fuhr Lukas, unser dritter Mann, sogar mit Rahmenschaltung. Unsere Ziele wurden ambitioniert und ambitionierter. Wir steigerten unseren Plan von 100km auf 150km pro Tag. Unsere Freunde wurden kritischer und kritischer. Und dann ging es auch schon los.
11000hm, 15 Tage und 2378km später waren wir (aber besonders ich) schlauer.

Norwegen
Wir treffen uns unten am Nidelva. Es ist typisch für uns. Martin hat sein Essen vergessen und ich meine Jacke. Da Martin auf dem anderen Berg wohnt heißt es für jeden von uns erst einmal 200 Strafhöhenmeter. Danach düsen wir gemütlich am Nidelva nach Støren. Auf den ersten 50 Kilometern haben wir natürlich die meisten Pannen im ganzen Urlaub. Lukas Fahrradkorbhalterung aus Kabelbindern bricht. Die Halterung von Martins neuen Ortlieb Tasche bricht. Und mein Gepäckträger verliert eine Schraube und klappt ab. Alles wird natürlich professionell repariert mit Kabelbindern und Klettriemen. In Støren biegen wir nach Røros ab. Es geht Stück für Stück und stetig nach oben. Kurz vor Røros campen wir auf einer Wiese. Es ist windig hier oben. Wir freuen uns schon drauf diese Hochebene zu verlassen. Am nächsten Tag schaffen wir dies tatsächlich und wir ahnen es nicht, aber der spektakulärste Teil unserer Reise ist vorbei. Es folgen Tage durch Wälder und vorbei an Seen. Norwegen zeigt sich von seiner typischsten Seite. Der Nahrungsmittelkonsum steigt ins Unermessliche. Bei täglich 6 bis 8 Stunden reiner Fahrzeit ist das auch kein Wunder. Der Erste zeigt Überlastungserscheinungen. Knie und Achillesferse schwellen an. Wir versuchen alles halbwegs zu tapen. Ich bin tagelang am Windschattenfahren und Trittfrequenz erhöhen um das Knie zu entlasten. Nach fünf Tagen verlassen wir Norwegen bei Halden und nehmen noch ein geruhsames Bad am Straßenrand. Bis jetzt können wir unseren 150km Schnitt halten.


Schweden
In Schweden genehmigen wir uns erstmal einen Pausentag (60km). Danach wird wieder Gas gegeben. Schweden ist überraschend hügelig und windig. Der erste Regenschauer unserer Reise zwingt uns zu einer langen Pause. Seit langer Zeit wird es wieder Nacht, welche wir seit Mitte Mai nicht mehr zu Gesicht bekamen. Allerdings wollen wir unbedingt am gleichen Tag Göteborg durchqueren, um uns nicht am nächsten Morgen im Berufsverkehr durch die Stadt zwängen zu müssen. Wir zelten auf einer Wiese am Stadtrand. Wir fahren noch weitere zwei Tage durch Schweden. Teilweise versuchen wir dem Küstenradweg zu folgen. Hin und wieder endet der Radweg auf der Autobahn, naja wir können ja mithalten. Nach unseren Radweg Ausflügen entscheiden wir uns für die alte E6. Hier kommen wir zügig voran und der Autoverkehr fährt zum Großteil auf der neuen E6. Wir sind froh als wir Schweden verlassen und in Helsingborg nach Helsingör übersetzen. Schweden war für uns grau, nass und windig.

Dänemark
Wir verbringen exakt eine Nacht in Dänemark, irgendwo südlich von Kopenhagen. Dänemark kostet Lukas zwei Schlauchreifen, weil die Radwege so holprig sind. Endlich können wir heizen, kein Wind und es ist flach. Das sollte sich am zweiten Tag aber ändern. Die vermeintlich letzten 100km zur Fähre nach Rodby werden die wohl härtesten der ganzen Tour. Es ist sonnig und der Wind kommt von vorne. Trotz Windschattenfahrens und am Unterlenker hängen fahren wir kaum schneller als 20 km/h. Als wir mit der Fähre nach Fehmarn übersetzten sind wir fertig mit der Welt. Total durch und wir haben kaum eine Pause gemacht, um den Wind hinter uns zu bringen.
Deutschland – Wir wollen heim
Nach 10 Tagen im Sattel zeigen sich bei uns erste Motivationsschwierigkeiten. Langsam tut alles weh. Deutschland ist unangenehm. Wir werden ständig von Autofahrern angepöbelt und die Leute wissen alles besser. Wir fahren auf der Bundesstraße von Fehmarn aufs Festland. An der Ostsee schlafen wir mitten in einem Dorf hinter einem Kiosk. Nachts steht eine Frau vor unserem Zelt und sagt:“ Hier kann man doch nicht Zelten.“ Lukas muss sich aus dem Schlafsack ein „doch“ verkneifen. In Lüneburg plündern wir Stilecht ein Sushi-Buffet. Wir sitzen lieber draußen, weil unser Geruch sicher andere Gäste belästigen würde. Der Barkeeper ist auch ein Fernradler und spendiert uns noch eine Runde. Rund um die Lüneburger Heide ist Deutschland ziemlich windig und das stets von vorne. Wir freuen uns als es hinter Göttingen etwas hügeliger wird. Wir treffen noch Jonathan einen Freund, der auch in Norwegen war. In Fulda übernachten wir nochmal alle zusammen unter freiem Himmel. Am nächsten Morgen trennt sich Martin von uns und biegt Richtung Erlangen ab. Lukas und ich fahren noch gemeinsam bis Aschaffenburg. Dort teilen auch wir uns auf. Ich gebe Gas. Ich möchte nach Hause. Am Morgen sagte Google Maps noch 230km. In Aschaffenburg peile ich schon die 240km an. Irgendwann abends bin ich im Neckartal. Und verfahre mich ausgerechnet dort in etwa 20km vor meiner Heimatstadt. Nach 12:40h Fahrtzeit und 268km komme ich schließlich an Tag 15 daheim an.
Der Tag danach

Der letzte Tag kostete mich viel. Am Tag danach verabschiedet sich mein Körper von allem. Schlussendlich verliere ich 8 Kilo und brauche 2 Wochen um wieder einigermaßen fit zu werden. Alles in allem war es eine gute Erfahrung, das nächste mal werde ich aber definitiv dafür sorgen meinem Körper genug und vor allem die Richtigen Nährstoffe wieder zu zuführen.

Planung & Koordination
Als Kartenmaterial diente uns Google Maps, andere Karten besaßen wir nicht. Das funktioniert tatsächlich in Norwegen, Dänemark und Schweden sehr gut. Diese Länder haben einfach weniger Straßen. In Norwegen würde theoretisch auch eine Liste mit Ortschaften reichen. In Deutschland wird das ganze etwas tricky. Hier haben wir uns meist entlang großer Land und Bundesstraßen gehalten. Landschaftlich mag das nicht das Optimum sein, aber unser Ziel war eine möglichst schnelle Fortbewegung. Als Faustregel kann man mit 40-50km in 3 Stunden über den Tag rechnen.

Tag 1: Trondheim-Støren-Røros 163km; 7:12h
Tag 2: bis Engernes 176km; 6:49h
Tag 3: Engernes-Rena-Elverund-Kongsvinget 171km; 7:29h
Tag 4: Kongsvinget-Bjørkelagen 97km; 4:54h
Tag 5: über Ørje-Halden-Schweden 153km; 7:18h
Tag 6: Hottet-Tanumshede-Saltvik 61km; 2:56h
Tag 7: bis Gøteborg 189km; 9:07h
Tag 8: über Falkenberg nach Halmstad 172km; 7:53h
Tag 9: Helsingborg-Dänemark_Helsingör-Kopenhagen 166km; 7:48h
Tag 10: über Rodby-Deutschland-Puttgarden-Grube 159km; 7:34h
Tag 11: Grube-Lübeck-Ratzeburg-Lüneburg 167km; 7:50h
Tag 12: Lüneburg-Celle-Hannover 150km; 6:43h
Tag 13: Hildesheim-Hintsheim-Göttingen-Bad Sooden Allendorf 143km; 6:29h
Tag 14: bis Fulda 143km; 6:39h
Tag 15: Fulda-Maintal-Mosbach-Heilbronn-Ludwigsburg 268km; 12:39h

Trekking im Kaukasus, Elbrus von Norden

Russland, Kaukasus, Elbrus, 5000er… hört sich mal anders an als Alpen und Skandinavien. Ich wurde neugierig. Mein Kumpel Alexios Passalidis machte genau dort zu Sowjet-Zeiten seine Bergführer-Ausbildung. Er plante gerade, mit einer kleinen Gruppe über einen etwas längeren Trekking-Zustieg den Elbrus von der einsameren Nordseite zu besteigen. Dabei übernahm er den ganzen Kram mit Genehmigungen, Papieren, An- und Abreiseformalitäten für eine Gegend, die politisch sehr instabil ist. Das war zu verlockend, ich war dabei. In der Abendsonne schwebt die Maschine von Moskau über Mineralnye Vody ein. Auf dem kleinen Flugplatz kommen wir uns vor wie auf dem Viehmarkt. Das Vieh sind wir. Ein Herr Oberwichtig mit zu großer Uniformmütze studiert lange unsere Papiere, bis er zu dem Entschluss kommt, dass irgendetwas fehlt (Rubel), und wir den Flughafen nicht verlassen dürfen. Alex regelt das ohne Geld und wir gehen unserer Wege. Nach einer Nacht im „Internationalen Hotel“ in Pyatigorsk fahren wir in zwei Geländewagen russischer Bauart ins Khurzuktal und werden dabei noch einige Male mit vorgehaltener Waffe von der Miliz gefilzt.

Umso mehr genießen wir am Abend die Ankunft in Khurzuk. Vor uns liegt das unberührte Hochgebirge. Nach vier Stunden Aufstieg stellen wir die Zelte auf. Von hier aus unternehmen wir zwei Tagestouren auf rund 3700 zur Akklimatisation – und aus Freude am Bergsteigen. Unweit unserer Zelte beziehen drei Hochlandhirten mit ihren Tieren ihr Sommerquartier. Einer davon hat bei Alex als Kind reiten gelernt. So verbringen wir die Abende in ihrer kleinen Hütte bei Hammelfleisch und frischem Schafskäse mit Brot und Kräutern, zuzüglich unserer bescheidenen Beigaben. Wir würden ihnen gerne etwas geben. „Spenden“ anzunehmen oder fürs Essen bezahlen geht aber gar nicht. Also machen wir einen Deal: Sie bringen mit ihren Pferden unsere Rucksäcke zum nächsten Pass und wir bezahlen sie dafür. Den Balk-Bashi-Pass erreicht, geht es auf 3700 Meter Höhe weiter dem Gletscherrand entlang in Richtung Westen, Richtung Elbrus. Nach einer Nacht auf Geröll und der Querung eines Gletschers kommen wir zu der Stelle, an der wir unser drittes Lager geplant hatten. Es ist aber ziemlich stürmisch und die Motivation zum Zeltaufbau lässt zu wünschen übrig. Wir gehen weiter zum sog. „Russenbiwak“, ein paar halbrunde Behausungen aus Aluminium, ohne Wasser oder Klo. Die Elbrus-Nordseite wird weit weniger begangen als die Normalroute im Süden. Trotzdem gibt es hier so eine Art „Berghütte“. Mit drei Russen und einer Katze teilen wir uns die enge Kabine und sitzen gut gelaunt zwei Tage Sturm aus. Nach einer weiteren Akklimatisationstour packen wir die Rucksäcke und steigen auf zu den Lenzfelsen. Auf 4650 Meter ist die Aussicht auf den Kaukasus und das Vorland einfach überwältigend. Wir stellen die Zelte auf und hoffen auf gutes Wetter. Die Nacht bringt Sturm bei minus 15 Grad. Morgen wollen wir zum Gipfel.

Die Gipfeletappe ist technisch leicht, aber die Höhe von über 5000 Metern ist schon deutlich spürbar. Alles geht etwas langsamer und ist deutlich anstrengender als auf 3000. Trotzdem erreichen wir allesamt den Gipfel und feiern dort oben ein kleines Fest. Der Abstieg geht sehr zügig voran. In leichtem Terrain geht es über Firn und Eis zurück zu den Zelten. Mit vollem Rucksack wieder zum Russenbiwak. Eigentlich sind wir noch recht fit, also steigen wir noch weiter ab bis zu einer flachen Wiese auf 2900 Meter Höhe, genannt Flugplatz. Nach über 2700 Höhenmetern Abstieg darf man den Tag beenden. Wir stellen die Zelte auf die Wiese und genießen das frische Wasser aus den klaren Bächen. Zur Feier des Tages spendiere ich als Überraschung eine Runde Mousse au Chocolat für alle. Ich hab den Päcklenachtisch die ganze Zeit mitgeschleppt, und jetzt ist die Zeit gekommen, das Pulver anzurühren. Dies führt zu allgemeiner Heiterkeit und noch besserer Laune.

Der weitere Abstieg führt uns an einer russischen Dampfsauna vorbei, in der wir von Alex nach alter Tradition mit Birkenzweigen ausgepeitscht und danach mit russischem Bier abgefüllt werden. Nach der dritten Sauna-Auspeitsch-Bierrunde soll es dann aber auch genug sein. Bis zur Heimreise haben wir noch ein paar Tage Zeit. Alex zeigt uns noch einiges aus seiner Heimat und bald sitzen wir wieder im Flieger nach München.

Okla & Lorthøa

Oh Wunder, mal wieder Storlidalen. Dieses Tal eignet sich perfekt zum Skitouren und ist einfach von Trondheim aus zu erreichen. Allerdings war es schon mitte März, weswegen es Südseitig recht harschig war. So haben wir uns dann doch lieber an die Nordseiten gehalten.

Das Video wurde geschnitten und gefilmt von Julien

Winter im isländischen Hochland – solo

Deine Idee einer reizvollen Tour gehört dir. Aber nur, bis die Idee die Oberhand gewinnt. Denn dann gehörst du ihr, und es ist nur eine Frage der Zeit, wann du sie verwirklichen musst. So ging es mir mit dem Gedanken, im Winter mal eine Zeit allein im isländischen Hochland zu verbringen. So lande ich im Februar 2010 in Reykjavik wo ich erst mal ein paar Tage bleibe. Noch ’mal essen, was und so viel ich will, Schwimmbad und Cafés besuchen, abends mit Isländern in die Kneipe. Der Überlandbus bringt mich in den Norden Islands, zur Abzweigung der Kjölur-Hochlandroute. Der Busfahrer hilft mir beim Ausladen des Schlittens, legt mir seine Hand auf die Schulter und wünscht mir alles Gute – und viel Schnee. Aber im Moment stehe ich mit Packschlitten und Skiern inmitten beigegrüner Weiden. Schnee ist nur auf fernen Gipfeln auszumachen. Ich spanne ein kleines Fahrgestell unter den Schlitten. Ursprünglich war es nur dafür gedacht, leichter durch die Stadt zu kommen. Jetzt muss es mir dabei helfen, über die Schotterpiste die Hochlandkante zu erreichen. Dort wird schon genügend Schnee liegen.

Vor ein paar Tagen wurde ganz in der Nähe ein junger Eisbär erschossen, der von Grönland herüber trieb. Ob seine Mama mit ihm nach Island kam und hier irgendwo herumstreift, ist noch nicht geklärt. Also verlasse ich mal lieber die Küstenregion und mache mich auf den Weg nach Süden. Zwei Hunde kommen auf mich zu gerannt, begrüßen mich freudig und traben die ersten Kilometer neben mir her. Als ich am nächsten Abend das Hochland erreiche, schaue ich auf die endlose Weite und sehe… keinen Schnee! Auf den drei Tage alten Satellitenfotos war hier doch alles weiß! Jetzt erinnert mich dieser Anblick an den isländischen Sommer. Skilaufen und Schlittenziehen sind unmöglich. Was nun? Ich stelle das Zelt auf, esse und verkrieche mich in den Schlafsack. In der Nacht steht mein Entschluss fest: Ich lasse den Schlitten und alle nur irgend entbehrliche Ausrüstung zurück, packe den Rucksack und gehe weiter. Das wird verdammt eng. Ein Buch und ein kleiner Weltempfänger, die mir das lange Alleinsein hätten versüßen sollen, bleiben zurück, ebenso die 20 Tafeln Schokolade, weiteres Essen und Kochersprit. Da bleibt nicht viel übrig. Die Tüte mit Werkzeug und Ersatzteilen wird ebenso ausgemistet wie der Klamottenpacksack. Mit einem lauen Gefühl im Magen lasse ich auch die Steigeisen zurück. Ich lege noch eine kurze Nachricht in den Schlitten und schließe das Verdeck. Die Skier müssen mit. Falls doch noch der große Wintereinbruch kommt, komme ich ohne sie nicht mehr heraus. Der Rest passt gerade so in und an den 90-Liter-Rucksack. Und jetzt los.

Es tut gut, die Schotterpiste zu verlassen und auf natürlichem Boden voran zu kommen. Wie schön wäre es, bei guter Schneelage mit Skiern und Schlitten durch diese Weiten zu ziehen. Nun, es ist, wie es ist. Mein Ziel ist, innerhalb einer Woche Hveravellir zu erreichen, ein Gebiet genau in der Mitte des Hochlands. Dort gibt es heiße Quellen, eine kleine Wetterstation und eine Wanderhütte. Direkt an der Hochlandpiste gelegen ist es im Sommer gut besucht. Jetzt werde ich dort sicher niemanden antreffen. Tag für Tag wird die Umgebung abwechslungsreicher. Das Wetter wird besser, immer wieder kommt die Sonne heraus. Nach und nach legt sich eine dünne Schneeschicht auf die Landschaft. Die Flüsse sind jetzt von einer dünnen Eisschicht bedeckt. Das macht das Überqueren umständlich und sehr gefährlich. Lange suche ich jeweils nach einer geeigneten Stelle und taste mich sachte über das oft knackende Eis, stets begleitet von weichen Knien, 180 Puls mit anschließendem Durchatmen. Den Rucksack ziehe ich mit einer Reepschnur nach. In solchen Momenten wird mir das Alleinsein schon sehr bewusst.

Nach sechs Tagesetappen habe ich 100 Kilometer geschafft und erreiche bei 5 cm Neuschnee und sonnigem Wetter Hveravellir. Kein Mensch ist zu sehen, auch die Wetterstation ist nicht besetzt. Hauptsache, der Hot-Pot ist da, ein aus Natursteinen gemauertes Badebecken, das von den umliegenden kochend heißen Quellen gespeist wird. Ich stelle das Zelt auf, esse die Miniration Instant-Nudeln und nehme ein heißes Bad im Freien; bei minus 12° Außentemperatur, über mir Sternenhimmel und Polarlicht. Ein unbeschreibliches Erlebnis, aber leider mit niemandem zu teilen. Im Zelt geht die kleine Feier weiter: Eine Kanne Tee, ein paar Kekse und die Vorstellung, morgen ausschlafen zu können und einen Spaziergang in der Umgebung zu machen, besiegeln diesen unvergesslichen Tag.

Zwei Tage später zieht ein Sturm auf, der fast 50 Std. anhält. Hin und wieder halte ich den Windmesser hinaus und messe Böen von über 100 km/h. Endlose, laute Stunden, Langeweile voller Anspannung. Als der Sturm nachlässt, mache ich eine kleine Tour durch das Kjalhraun-Lavafeld. Am Abend merke ich erst, wie sehr die vergangenen Tage an meiner Substanz genagt haben. Die Anstrengung, der Sturm, das Alleinsein und das Zuwenig an Essen fordern jetzt ihren Tribut. Ich kann mich nicht mehr auf den Füßen halten, verliere das Gefühl in den Händen, die Kopfhaut kribbelt. Der Kreislauf macht schlapp. Jetzt aber zügig reagieren! Ich nehme eine Hand voll Würfelzucker mit viel Wasser, koche mir einen Kaffee und mache mir eine extra große Portion Müsli. Als es mir besser geht, verkrieche ich mich in den Schlafsack und versuche zu schlafen. Da sehe ich einen Lichtschein am Zelt, höre ein Brummen in der Ferne. Entweder bin ich jetzt vollends durchgeknallt, oder ich bekomme tatsächlich Besuch. In 100 m Entfernung pflügen sich drei Super-Jeeps durch die Nacht und halten vor der Hütte an. Ich greife zur Stirnlampe und gebe Signal. Schon kommt jemand auf mich zu. „Hae hae, ég heiti Gümmie.“ Gümmie ist Bergführer und mit einer kleinen Gruppe mit den Fahrzeugen über den Langjökull-Gletscher vom Südwesten herauf gekommen. Auch ich gebe meine Geschichte zum Besten. Gümmie meint, ich solle doch in einer halben Stunde zur Hütte kommen, dann wäre das Essen fertig. Eben noch am Rande der Erschöpfung und allein, sitze ich jetzt mit netten Leuten am Tisch bei isländischem Lammbraten, Bratkartoffeln und Gemüse, dazu eine Dose Bier, zum Nachtisch Stockfisch, der vor dem Essen tief durch den Margarinebecher gezogen wird. Im Sommer habe ich in Island etliche solcher Geschichten erlebt, aber jetzt habe ich wirklich nicht damit gerechnet.

Mit Windstille und blauem Himmel beginnt der neue Tag. Zum Abschied drückt mir Gümmies Freundin noch eine große Tüte Expeditionsnahrung in die Hand. Es sei nicht gut, hungrig zu sein, meint sie. Ich fühle mich ausgeruht und kräftig, das Wetter ist fantastisch. Jetzt kann ich noch eine gute Woche bleiben und ein paar Skitouren auf die umliegenden Berge machen. Stellenweise vermisse ich auf dem blank gefegten Firn die Steigeisen, aber meist komme ich mit Skiern und Fellen ganz gut voran.

Nach den schönen Tagen in Hveravellir ist der Höhepunkt der Tour überschritten, das Essen wird jetzt wirklich knapp. Ich mache mir gerade Gedanken, in drei Tagen über den Süden aus dem Hochland heraus zu sein, da kommen Ole und Gunnar angefahren. Gunnar ist der Hüttenwart und schaut auch im Winter mal vorbei. Klar nehmen sie mich mit nach Reykjavik, wollen aber vorher noch zwei Tage zum neuen Vulkan am Fimmvörðuháls, der vor kurzem ausgebrochen ist. Diese Zugabe nehme ich natürlich mit. Wieder in Reykjavik angekommen, steht mir noch eine einwöchige Reise bevor. Ich muss noch einmal in den Norden, um den Schlitten zu holen. Aber das ist eine andere Geschichte…

 

Winter auf den Lofoten

Mit dem Zelt in die Polarnacht

Die Lofoten kennen viele nur im Sommer. Durchgehendes Tageslicht, warmer, trockener Fels, Badebuchten und ausreichend Touristenströme. Aber wie ist es dort im Winter? Um das zu erleben, packe ich im Januar 2014 meinen Rucksack und fliege nach Oslo. Dort steige ich in den Zug nach Bodö in Nordnorwegen. Zwischen gelegentlichem Wegnicken mit viel zu kurzen Schlafphasen ergeben sich Gespräche mit mitreisenden Skiwanderern, Verwandtenbesuchern und Konzertmusikerinnen, die die 17stündige Zugfahrt doch irgendwann zu Ende gehen lassen. Draußen zieht derweil die dunkle, tief verschneite Landschaft vorbei, und den Polarkreis überqueren wir ohne weiteres Aufhebens.


In Bodö angekommen, mache ich zunächst zwei Tage Urlaub in der Stadt. Ein Bummel durch das kleine Einkaufszentrum, ein Spaziergang am Hafen und Kaffee aus Pappbechern an der Tanke geben mir das gute Gefühl, wieder auf Reisen zu sein. Mein Ziel aber sind die Berge der Lofoten, die sich weit draußen auf dem Meer am Horizont abzeichnen. Während der dreistündigen Schifffahrt zu den Inseln bricht die lange Nacht herein, und als ich um 16 Uhr die Lofoten erreiche, ist es stockdunkel. Zu Fuß gehe ich eine gute Stunde zum Dörfchen Å ganz im Süden der Inselgruppe. Am Ortsrand schlage ich mein Zelt auf.

Der nächste Tag bringt klaren Himmel. Um zehn Uhr wird es hell und ich bin überrascht, wie wenig Schnee in den Bergen liegt. Bei minus acht Grad mache ich Frühstück – Müsli mit warmem Wasser und Pulverkaffee – und erkunde die Küste und das Dorf. Eine Tagestour mit leichtem Gepäck in den umliegenden Bergen lässt mich auch innerlich ankommen.

Es zieht mich weiter. Ich möchte auf die unbewohnte Westseite der Lofoten und habe mir dafür auch schon einen Platz ausgewählt, der mein Basislager für weitere Bergbesteigungen sein soll: Die Bucht Kvalvika nahe des Dorfes Fredvang. Am Morgen um acht Uhr steige ich in den Bus. „Hei hei“, begrüßt mich Lisa, die ich am Tage zuvor im Dorf kennen gelernt habe. Es entsteht eine gute Unterhaltung zwischen uns beiden einzigen Fahrgästen und der Fahrerin. Die beiden kennen sich natürlich. An der Abzweigung Fredvang verabschiede ich mich und gehe zu Fuß weiter Richtung Westküste.

Bald ist der Aufstieg über den Sattel zur Kvalvikabucht erreicht. Steil geht es bergauf, hinüber auf die Westseite der Insel. Auch hier liegt kaum Schnee. Die wenigen kleinen Bäche sind bis auf den Grund gefroren. Am Sattel ist der Blick überwältigend. Weit im Osten sind ganz schwach die Berge des norwegischen Festlands auszumachen, im Westen das Polarmeer, das sich von hier aus bis nach Grönland erstreckt, dazwischen die steilen Berge der Lofoten. Die tief stehende Mittagssonne taucht die ganze Szenerie in ein Wechselbad aus Licht und Schatten.


Kurz vor Einbruch der langen Nacht erreiche ich die Bucht und schlage mein Zelt auf. Ich möchte kochen, aber es gibt keinen Schnee zu schmelzen. Die zu Eis erstarrten Bäche sind so hart, dass sich nicht einmal Stücke davon herausschlagen lassen. Ein paar wenige Eissplitter sind die einzige Ausbeute meiner Bemühungen. Und direkt vor mir liegt eine der größten Wasserflächen der Erde. Bei Dunkelheit steige ich ins Steilgelände und suche nach Eiszapfen. Sie werden mein Wasservorrat der nächsten Tage sein. Nach einem ausgedehnten Abendessen mache ich mich noch auf zu einem langen Strandspaziergang. Der Himmel ist übersät mit strahlenden Sternen, die Berge zeichnen sich tiefschwarz davor ab. Das Meer schäumt auf und untermalt dieses wunderschöne Panorama mit einem kräftigen Rauschen. Gerade als ich ins Zelt will, hellt der Himmel auf und schenkt mir noch einen atemberaubenden Anblick: Im Westen ziehen Polarlichter übers Meer, werden immer größer und intensiver. Heute hatte ich vier Stunden Tageslicht, und doch war es ein voller, langer Tag.

Für die nächsten acht Tage ist die Bucht mein Zuhause. Fast täglich unternehme ich Touren auf die umliegenden Berge. Die Stimmung, die Ruhe an den Gipfeln und die fantastische Aussicht ist alleine schon die Reise wert. Manchen Tag verbringe ich aber auch mit Spaziergängen am Sandstrand, schaue lange auf die Wellen oder besuche die Mauerreste der vier kleinen Häuser, die Wikinger hier vor 750 Jahren bauten. Eine Familie lebte hier und es fällt mir leicht, mir vorzustellen, wie ihr Schiff an diesem Strand lag, wie sie Wasser aus diesem Bach holten und vielleicht ebenso wie ich genau hier aufs Meer und in den Nordlichthimmel schauten. In meinem Alleinsein treibe ich in die Zeitlosigkeit und genieße es.

Mein Freund Thomas Salamon hat sich angesagt. Wir machten aus, dass ich ihn in Moskenes an der Fähre abhole. Ich freue mich schon auf ihn, packe meinen Rucksack und mache mich wieder auf den Weg zur Bushaltestelle an der E10. Im Dorf Fredvang treffe ich zwei alte Norweger, die mich gleich ansprechen. „Eine Woche warst du in der Bucht? Mit dem Zelt? Cool! Vor einiger Zeit haben zwei Norweger einige Monate lang in der Bucht gelebt, bauten sich eine kleine Hütte und haben im Meer gesurft.“ Ich habe von den Jungs auf einem Filmfestival gehört, wusste aber nicht, dass sie genau hier waren. Ich schmiede den Plan, mit Thomas wieder hierher zu gehen und ihn mit der Surferhütte zu überraschen. Sie liegt wohl sehr versteckt zwischen den Felsen, aber wir werden sie schon finden. Der Bus kommt und die Fahrerin begrüßt mich herzlich. Wir kennen uns ja schon. In der Nacht um 21 Uhr in Å angekommen, fragt sie mich: „Was machst du jetzt, wo gehst du jetzt hin?“ „Ich weiß nicht, ich werde wohl da hinten mein Zelt aufschlagen“, sage ich. „Warte mal“, antwortet sie und geht zu einem Mann, der gerade ein Paket aus dem Bus auslädt. Kurze Zeit später winken mich beide zu sich. „Ich hab ein Haus für dich, steig ein!“ strahlt der Mann mich an. Ohne zu Zögern werfe ich meinen Rucksack in seinen Lieferwagen und lasse mich durch die Nacht chauffieren. Ich kann es kaum glauben: Ein beheiztes Haus am Meer mit Wohnzimmer, Kochbereich, Bad, Schlafzimmer – für mich! Es ist OK für ihn, wenn ich auch morgen Abend mit Thomas noch mal im Haus bleibe.

Am nächsten Abend stehe ich in Moskenes am Fähranleger und begrüße Thomas. Wir wandern durch die Nacht. Er stellt sich auf eine Zeltnacht ein und schaut nicht schlecht, als ich ihm unsere Luxusunterkunft präsentiere. Eine Nachtwanderung führt uns über den zugefrorenen See Agvatnet. Der Himmel ist voll von intensivem Nordlicht, wohin wir auch schauen. Erst um vier Uhr am Morgen gehen wir zurück zum Haus, um acht sitzen wir schon wieder im Bus.


In der Nacht hat es geschneit und die Landschaft sieht jetzt standesgemäß nach norwegischer Winterlandschaft aus. An der Abzweigung nach Fredvang hält gleich ein Fischer und nimmt uns mit ins Dorf. Von dort aus gehen wir zu Fuß. Die Route über den Pass führt zum Teil über verschneite Blankeisplatten und wir atmen auf, als wir die Bucht erreichen. Die Nacht bricht herein, aber wir machen uns noch auf die Suche nach der Surferhütte. Zwischen Geröllfelsen entdecken wir eine runde Holztüre mit einem Fenster aus einer Waschmaschinentüre, die in eine Mischung aus Hütte und Erdhöhle führt. Das ist sie! Ein freundlicher Brief der norwegischen Erbauer lädt ein, alles mit Respekt zu behandeln, es aber nach Gutdünken zu nutzen. Beide Vorgaben erfüllen wir mit Bravour.

Unsere folgenden Tage verbringen wir ähnlich wie ich die meinen eine Woche zuvor, und doch unterscheiden sich die beiden Wochen sehr voneinander. Das Zusammensein mit Thomas, die Nächte in der Hütte, der Schnee machen die Tage am selben Ort zu einer ganz anderen Zeit, die ich aber genauso genieße.

Das Ende unserer Reise naht. Wir packen die Rucksäcke und hinterlassen als Obolus eine große Gaskartusche und einen großen Pack Batterien samt einer kurzen Nachricht in der Hütte. Mögen unsere Nachfolger sich darüber freuen. Noch einmal überqueren wir den Pass und wandern zur E10. Der Bus bringt uns zum Fähranleger nach Moskenes. Mit einem äußerst gesunden Appetit räumen wir die Regale im kleinen Supermarkt leer. So verbringen wir unsere letzte Nacht auf den Lofoten vor dem Zelt bei einem pompösen Abendessen.

Die Fähre bringt uns wieder ans Festland nach Bodö, der Zug braucht immer noch 17 Stunden nach Oslo, und vier Stunden später stehen wir wieder in Bergklamotten mit großen Rucksäcken in Stuttgart am Flughafen.

Gr221 auf Mallorca

Der GR221- Stilechte Mallorca Durchquerung
Auch wir haben es 2014 getan. Aufgrund von fehlender Planungsmotivation musste ein einfaches und leicht zu planendes Ziel her. So stießen wir auf den GR221 durch Mallorca, für den es gutes Kartenmaterial und Reiseführer gibt. Unsere Vorbereitung bestand darin einen Flug und eine Karte zu kaufen. Die Ukulele, die wir dabei hatten, sorgte natürlich für den unzumutbaren Ballermann Soundtrack.
Alles in allem waren wir total überrascht von dem GR221. Landschaftlich überwältigende Sicht und echt schöne Pfade mit tollem Ausblick. Der Weg ist sehr abwechslungsreich. Von Macchia über Felsgelände bis Wälder ist alles dabei. Allerdings ist die Insel eher „kahl“ dadurch macht der GR221 zur wärmeren Jahreszeit bestimmt kein Spaß. Hin und wieder war es etwas schwierig das Zelt auf zu stellen, aber wir haben eigentlich immer einen Platz gefunden. Da wir um Ostern, aber außerhalb der Ferienzeit unterwegs waren, hatten wir auch noch unsere Ruhe. Der Weg führt meistens einmal täglich durch eine Ortschaft, so dass man sich die Kaffeemaschine 😉 getrost sparen kann. Die Supermärkte sind oftmals nur etwas größer als eine Bäckerei, was die eigene kulinarische Abwechslung etwas einschränkt.
Insgesamt haben wir 12 Tage auf Mallorca verbracht. Um den ganzen Weg entspannt laufen zu können, sollte man allerdings mindestens 10 Tage einplanen. Wir haben am Ende noch zwei Nächte am Strand in Alcúdia verbracht. Auf Open Street Maps ist ein Campingplatz nördlich von Alcúdia eingezeichnet. Es trägt den Namen Campamente de La Victoria. Hierbei handelt es sich um ein altes Franco-Ferienlager, welches kein Campingplatz ist. Der Hausmeister dort ist leider etwas garstig und hat uns vertrieben.

Powder ohne Ende, mal wieder eine Storlidalen-Session

Storlidalen hat eine ordentliche Packung Schnee abbekommen. Schnell werden sämtliche zu erledigende Uni-Arbeiten auf Montag verschoben. Storlidalen befindet sich noch in einem Bereich Trollheimens, der sehr feucht ist. Während ein Tal weiter in Oppdal Schneemangel herrschen kann, gibt es in Storlidalen oftmals noch frischen Powder.

Wir machen uns am Parkplatz fertig und treffen noch ein paar Freunde. Insgesamt sind wir noch sieben zu diesem Zeitpunkt. Die Sicht ist neblig und es schneit ab und an. Wir sind schwer bepackt, da wir uns eine Schneehöhle am Berg graben wollen. Nach 300m gibt es allerdings den ersten Schaden. Unser Fahrer zerbricht seine Bindung. Im Nachgang dieser Saison stellten wir fest, dass von 8 möglichen Bindungen dieser Marke(r), 7 brachen. Der Geschädigte schwingt sich ins Auto und fährt nach Hause nach Trondheim um seinen Zweitski zu holen und wird uns am nächsten Morgen zur Fortsetzung treffen. Nach 200hm werfen wir unseren Ballast ab und steigen mit leichten Rucksäcken auf. Nach weiteren 200hm ist allerdings Schluss da der Wald aufhört und dadurch jeglicher Kontrast fehlt. Außerdem werden die Hänge steiler und nach diesem Schneefall muss man das nicht riskieren. Zum Abfellen müssen wir uns Platz schaffen, da der Neuschnee über die Hüfte reicht. Bergab gibt es dann fette Treeruns, die jedem ein absolutes Powderlächeln ins Gesicht zaubern. Für mein Setup ist es schon fast zu viel Schnee. Nach einem Sturz ist man ziemlich lang mit ausgraben beschäftigt. Wir steigen an diesem Tag viermal auf und genießen den tiefsten Powder unseres bisherigen Lebens. Beim vierten Aufstieg trennt sich unsere Gruppe. Unsere Freunde fahren heim, während wir eine Schneehöhle graben wollen. Da der Schnee viel zu weich ist, funktioniert das mit der Schneehöhle nicht wirklich. Schließlich entscheiden wir uns ein Iglu zu bauen. Blöcke Sägen wir aus unserer Aufstiegsspur. Das Iglu wird natürlich im Schwabenstyle gebaut. Es wird kein Material verschwendet (keine spiralförmige Blocksetzung, sondern Schicht für Schicht) und als Türstock dienen ein paar Skistöcke. Nach 2,5 h Stunden ist das Iglu endlich fertig. Wir genießen unser Heim und kriechen so schnell es geht in die Schlafsäcke. Vor dem Einschlafen bemerken wir noch ein paar Löcher, die zum Glück von innen verschließbar sind. Als Türe dient ein Rucksack.

Am nächsten Tag überrascht uns Jonathan mit Zweitski und warmem Tee. Er kriecht zu uns ins Iglu, fällt allerdings beinahe aufgrund des Gestankes in Ohnmacht.  Irgendwie hat es nachts von der Decke getropft, die Schlafsäcke sind gut feucht. Was erst zu einem Problem wird wenn man sich nachts dreht und auf dem Nassen Stoff liegt. Zum Glück habe ich das nachts noch bemerkt und dann zwangsweise auf dem Rücken geschlafen. Widerlich wird es erst beim in die Handschuhe Schlüpfen, weil diese sind nass und kalt. Wir steigen kurz auf und frühstücken, nach der ersten Abfahrt, am Auto Kuchen mit Erdnussbutter und Nutella, jeder Normalsterbliche würde einem Zuckerschock erliegen. Wir legen am selben Berg noch ein paar Treeruns ein und steigen noch auf in Richtung Okla, sparen uns aber den flachen oberen Teil. Bergab finden wir dann noch eine Rinne, durch die allerdings schon ein Skitourenkurs durch ist. Dementsprechend ist es zerwühlt, was ein wenig Abwechslung zum tiefen Powder bringt. Alles in allem war das der fetteste Powdertag meines Lebens. Danke Norwegen.

Storlidalen, zum Ersten.

Nachdem meine erste Skitour in Norwegen mich an die schwedische Grenze führte mit eher gewöhnungsbedürftigen Bergen für Splitboarder, ging es dann Mitte Februar nach Storlidalen. Dort hatten wir uns den Okla ausgesucht, einen für norwegische Verhältnisse recht häufig begangenen Berg. Am Parkplatz zeigte das Thermometer dann -25 Grad an, sodass wir schnell anfellten und in Bewegung kamen. Bei etwas Neuschnee und Kaiserwetter stiegen wir auf. Das erste mal wieder richtig Sonne für einige in unserer Gruppe die den ganzen Winter in Norwegen verbrachten. Nach zweinhalb Stunden waren dann knapp 1000hm aufgestiegen und die Abfahrt konnte beginnen. Es gab genug Powder um jeden in unsrer Gruppe eine First Line zu ermöglichen. Aufgrund der guten Lines entschieden wir uns noch ein zweites Mal die letzten 500hm aufzusteigen. Die zweite Abfahrt hatte es genauso in sich wie die erste. Im unteren Teil machten dann noch einige Bekanntschaft mit niederem dichtem Buschwerk.

Hognabu Cabin

Unsere erste Skitour in meinem Erasmus Semester führte uns an die schwedische Grenze in die Nähe von Gressli. Leider ist es dort etwas flach, was den Spaß aber nicht hindert. Als Unterkunft nutzten wir eine Hütte die wir über unsere Universität in Trondheim mieten konnten.

Das Video wurde von Julien geschnitten und gefilmt.

Social media & sharing icons powered by UltimatelySocial
Instagram